#14_Die grosse Last der Erwartungen

Die grosse Last der Erwartungen

 

Was macht das mit mir, mit dir, mit uns, wenn wir Erwartungen haben und Erwartungen erfüllen (müssen)?

Wie geht es dir dabei, zu begreifen, dass du diese Erwartungen nicht erfüllen kannst und auch nicht willst.

Es stellte sich mir diese Woche die Frage, warum mich das so triggert? Bin ich auch Jemand, der solche Erwartungen oder Forderungen stellt? In welchem Bereich und warum?

 

Es geht hier um Erwartungen, die uns gar nicht einmal bewusst sind.

Ich hatte die letzte Woche zwei Erfahrungen gemacht, die mich so richtig zum Nachdenken angeregt haben.

Aber bevor ich darüber wirklich nachgedacht habe, hat mich die eine Situation total wütend gemacht. Da habe ich mir den Club im Schweizer TV angesehen, zum Thema "Ehe für Alle".

Es hat mich total wütend gemacht, weil einige der anwesenden Gäste so extrem gegen gleichgeschlechtliche Paare waren und denen auch einen Kinderwunsch nicht zugestehen wollten. Ich hatte das Gefühl ins Mittelalter zurückversetzt worden zu sein. Auch wenn ich persönlich etwas nicht unbedingt befürworte, darf ich doch wenigstens so fair sein und diesen Menschen das gleiche Recht, wie anderen Menschen zugestehen.

Leben ist Veränderung und Entwicklung. Zum Glück dürfen wir heute als Menschen vieles selbst für uns entscheiden, doch leider immer noch nicht alles.

Und leider ist die Toleranz in unserer Gesellschaft immer noch sehr bedürftig.

Warum erwartet man von Menschen, nur weil sie eine andere sexuelle Orientierung haben, dass sie auf ihren Kinderwunsch verzichten?

Ich habe mich immer wieder gefragt, wodurch fühlen sich Menschen, die diese Erwartung haben, so bedroht, dass sie so eine diskriminierende Haltung einnehmen? Wieso nehmen diese Menschen so eine intolerante Erwartungshaltung ein?

 

Die zweite Situation ist mir innerhalb meiner Familie, am eigenen Leib sozusagen, widerfahren und nicht weit weg irgendwo am TV.

Man hat mir ganz selbstverständlich und unbewusst signalisiert, dass ich nicht nach gewünschten Vorstellungen bin. Zuerst wusste ich gar nicht wie mir geschieht und ich habe total gar nichts verstanden. Ja, bis die Situation dann eskaliert ist… und das Unbewusste teilt sich immer mit… und mir sind dann die erwarteten Versäumnisse und Unzulänglichkeiten an den Kopf geworfen worden.

Ich habe es dann auch immer noch nicht verstanden,worum es wirklich geht,  denn ich könnte das Gewünschte auch nicht erfüllen, weil das alles nicht auf meinem «Plan» steht. So denke und bin ich nicht und werde es auch niemals sein.

 

Das Fazit der Geschichte ist, ich wurde mit Erwartungen konfrontiert, die ich nicht erfüllen kann. Eventuell, wenn ich mich verstellen würde, oder wenn ich heucheln würde, oder wenn ich dazu gezwungen würde, oder wer weiss was sonst noch.

Erwartungen zu haben und sie nicht erfüllen können-Beides kostet extrem viel Energie und ist total unbefriedigend.

 

Beide Situationen haben mich sehr betroffen gemacht und mir sehr viel Energie gekostet.

Ich frage mich immer noch, was es ist, dass Menschen veranlasst über andere Menschen so zu verfügen. Erwartungen zu haben und das als ganz Selbstverständlich zu nehmen ist weit verbreitet und sozusagen üblich und normal.

 

Liegt es an unseren Prägungen aus der Kindheit, der Gesellschaft, der Medien…?

Liegt es an mangelnder Toleranz, an einer Fehleinschätzung oder Fehlinterpretation der anderen Person?

 

Ich glaube es ist eine Mischung oder ein Teil von allen Vermutungen zusammen.

Auf jeden Fall wünsche ich mir mehr und offenere Gespräche darüber, was man sich wünscht oder erwartet und viel mehr Toleranz, wenn das Gegenüber, aus welchen Gründen auch immer, anderer Meinung ist.

Das grösste Gut im Leben ist, so SEIN zu dürfen, wie man ist.

 

 

Deshalb, vergiss nie...Du bist einzigartig-sei, wie du bist.

Herzlichst

Brigitta

 

 

 

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